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Hausacher Stadtschreiber 2011
Nach mehrtägigen, intensiven Lektüre und Gesprächsrunden sind die LeseLenz-Stipendien der Neumayer-Stiftung und der Stadt Hausach für das Jahr 2011 vergeben. Dabei war die Wahl der beiden Stadtschreiber für Belletristik im Allgemeinen – Lyrik oder Prosa – und für den Bereich Kinder- und Jugendbuch erneut eine Herausforderung aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen für die zwei Aufenthalts- und Arbeitsstipendien. 86 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Deutschland, Österreich und derrer Schweiz hatten sich darum beworben. Es konnten sich zwei Autorinnen durchsetzen, die in vielfacher Hinsicht überzeugten.
Mit Monique Schwitter, die 1972 in Zürich geboren wurde und als Schriftstellerin und Schauspielerin in Hamburg lebt, wurde eine Autorin Hausacher Stadtschreiberin, die sowohl mit Ihrem Erzählband „Wenn’s schneit beim Krokodil“ als auch mit Ihrem Roman „Ohren haben keine Lider“ einen literarischen Tonfall gefunden hat, der aufhören macht. Wundersam einfallsreiche Erzählpassagen wechseln sich ab mit schier atemlosen Gedankenspielen auf dem Gerüst der Beobachtungen, das zusehends ins Schwanken gerät. Verstrickungen, Phantasien und Wirklichkeiten bedeuten dem Lesenden kraftvoll-frisch, bisweilen augenzwinkernd frech, wie rasantant schön und schönkompliziert sich das Leben gebärdet, das in Gefühlen und Überlegungen plötzlich auftaucht, obwohl diese schon immer da waren. Oder das es gar zum Verhängnis werden kann, wo Nichtstun eines zur Folge hat, dass getan wird. Man tut nicht, man wird getan. Direkt und unverblümt ist Schwitters Sprache. auch dort, wo sie lediglich skizziert und vermuten lässt. Die Autorin entwirft in ihren Geschichten verschrobeneinsame Charaktere und scheinbar beiläufige Alltagsfiguren, die Facetten und Gewohnheiten zu Tage bringen, an denen man sich bald erschreckt und aufschreckt, manchmal lachend den Kopf schüttelt oder sich nachdenklich in der Lektüre vorwärtsbewegt. So, als sei man selber Fragment des aufgeschlagenen Textes. Die Kunstgriffe und Perspektivwechsel im Schreibstil der Schweizerin sind schwindelerregend gewagt und herzerfrischend abenteuerlich, immer aber wohltuend ehrlich. Monique Schwitter ist in Hausach keine Unbekannte. 2009 war sie Gast beim Hausacher LeseLenz und ihre Bühnenpräsenz ist vielen nach wie vor in aufregender Erinnerung.
Kathleen Weise aus Leipzig konnte sich im Bereich Kinder- und Jugendliteratur behaupten. Ihr historischer Jugendroman „Blutrote Lilien“ ist an Spannung kaum zu überbieten und schreibt, fühlt und denkt sich am Pariser Königspalast des frühen 17. Jahrhunderts in eine Zeit ein, in der Machtgier und Intrigen das Leben am französischen Hof unberechenbar bestimmen und Gift pflanzen ließ. Das tödliche Ränkespiel auf den verschachtelt-nebulösen Gängen und in den doch nicht immer ohrenlosen Appartements des Louvre wollen heutig erzählt sein und strotzen deshalb vor sinnlicher Fabulierlust der Leipzigerin, die – wie sie selber sagt – ein Faible fr Geschichte hat. Ihr Roman zeugt davon. Herrschaftstriebe, Launen und mörderische Boshaftigkeiten um das Jahr 1609, als sich Katholiken und Hugenotten gegenseitig bis zur Kenntlichkeit misstrauten, die Protestanten noch ganz unter dem Schock der Bartholomäusnacht lebten, Katholiken auf Rache sannen, die Gunst des Königs oder der Königin zu erbeuten einer Falkenjagd glich und aufrichtige Liebe trotz aller Widrigkeiten und Ekelwahrheiten doch nicht völlig zu korrumpieren war. Dass ein Hofnarr einer der Protagonisten in diesem Roman verkörpert und der jungen Charlotte de Montmorency, um die sich die Geschichte bündelt, zur Seite steht, schafft jenen Zauber der Wirklichkeit(en), mit dem historische Stoffe vielleicht am Nachvollziehbarsten begriffen werden können. Nichts liest sich wahrhaftiger als dichterische Fiktion. Ein kleines Meisterwerk nicht nur für Jugendliche. Ihre große Kunst für junge Menschen schnörkellos und dennoch detailliert und lebensbunt zu schreiben, erfllt Kathleen Weise aber auch in ihrem Krimi „Code S2“, einer Milieuschilderung aus ihrer Heimatstadt, in der nicht nur die schiefe Bahn eines 14jhrigen eine ganz andere Art von Kriminalitt aufdeckt... ( Mehr sei nicht verraten!) Erwähnt sei ebenfalls, dass die in Leipzig wohnende Autorin auch auf dem Gebiet der graphic-novel-Autoren („Comic im Roman / ComicRoman “) zur Avantgarde zählt. Kathleen Weise ist ein Glück für die aktuelle Sprach-Kultur des Jugendbuches.
Monique Schwitter wird von Juli bis Oktober 2011 im Molerhiisle in Hausach ihr Domizil beziehen und Kathleen Weise in der Zeit zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres.
Die offizielle Begrüßung der beiden Stadtschreiberinnen 2011 findet am Mittwoch, 1. Juni 2011, am Vorabend des 14. Hausacher LeseLenzes, im Sitzungssaal des Rathauses statt.
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